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Warum man als Kassenpatient beim Trockenen Augen der letzte Depp ist!

Vorwort

Ja, ich weiß, die Überschrift ist etwas provokant gewählt, aber um ehrlich zu sein spiegelt das die Realität am besten wieder, in den nächsten Zeilen werde ich diesen Gedanken auch mit vielen eigenen Erfahrungsberichten bekräftigen. Einige Leser dieses Beitrages werden sich in diesen beschriebenen Situationen garantiert wieder erkennen, während andere über diese Zustände geschockt sein werden. 

 

Bevor ich meine Kritik loswerde, will ich noch eine Sache vorweg klarstellen. Hierzulande haben wir im Vergleich zu anderen Ländern zweifelsfrei ein hervorragendes Gesundheitssystem, das will ich keineswegs bestreiten. Jedoch sollte man sich als Land stetig an dem nächst höherem Level orientieren, wie zum Beispiel dem Schweizer oder Norwegischen System und sich keinesfalls das südamerikanische oder afrikanische zum Vorbild machen.

 

Ich bin dankbar, dass wir ein solides Gesundheitswesen haben, aber eben bei weitem nicht zufrieden, das wollte ich an der Stelle nur einmal unterstreichen. Schlechter geht es schließlich immer! Zusätzlich will ich auch noch betonen, dass ich niemals den Ärzten den schwarzen Peter zu schieben würde, schuld an dem ganzen Dilemma ist einzig und allein das gesamte verkorkste Gesundheitssystem. Die Augenärzte leiden ja selbst unter diesen widrigen Umständen. Stress, Zeitdruck und mickrige Honorare bestimmen den Alltag.

Versicherungspartner, Sicca Syndrom/Trockene Augen

Als mir beim Ärztemarathon ein Lichtlein hinsichtlich der Schwachstellen in unserem Gesundheitssystem zunehmend aufging

Die ersten 19 Jahre meines Lebens war ich immer der festen Überzeugung, dass Deutschland eines der besten, wenn nicht sogar das beste Gesundheitssystem der Welt hat. Doch ich sollte eines Besseren belehrt werden, aufgrund meiner Trockenen Augen war ich in den letzten knapp 3 Jahren in einer Tour bei den verschiedensten Augenärzten und Augenkliniken. Von normalen Praxen bis hin zu speziellen Sicca-Sprechstunden in Kliniken war alles dabei, ich werde so bestimmt 25-30 Ärzten über den Weg gelaufen sein.

Grundproblem 1 - Ewige Wartezeiten

Ein großes Problem sind von vornherein stets die ewig langen Wartezeiten, der Rekord liegt bei mir bei etwa 6-7 Monaten, wobei ich es hier sogar noch relativ gut erwischt habe. Denn ich habe schon von Patienten gehört, welche eine Wartezeit von über einem Jahr in Kauf nehmen mussten, das schießt dann wirklich den Vogel ab. Besonders wenn man unter starken Beschwerden wie tägliches Augenbrennen oder Fremdkörpergefühl leidet, kommt einem dieser Zeitraum noch um einiges länger vor, das ist freilich sehr frustrierend.

 

Hat man diese Wartezeit nun endlich überbrückt, dann geht es aber sofort mit der Betreuung los oder? Leider nicht, denn im Wartezimmer in der Praxis muss man erneut mit einigen Stunden Wartezeit rechnen, mein Spitzenwert liegt bei happigen 4 Stunden! Und das wirklich bei einem fest angemeldeten Termin, das muss man sich mal in Ruhe auf der Zunge zergehen lassen...

Grundproblem 2 - Lachhafte Gesprächsdauer mit dem Augenarzt

Nach den anfänglichen hartnäckigen Startschwierigkeiten hätte man jetzt wahrlich eine ausgiebige Behandlung verdient, doch daraus wird leider nichts. Bei 90% meiner Termine dauerte das Gespräch nicht länger als 5-10 Minuten und das sogar in extra Spezial-Sprechstunden für das Trockene Auge. Da wartet man eine halbe Ewigkeit auf diesen lang ersehnten Tag und dann sowas.

 

Es war jedes Mal wieder eine echte Enttäuschung, man fährt mit großen Erwartungen hin und ohne jeglichen positiven Impuls zurück, denn in diesem kurzen Behandlungszeitraum kommt natürlich nicht viel bei mir rum. Dies gilt insbesondere bei dem Krankheitsbild des Sicca Syndroms, welches so komplex und umfangreich ist, egal ob mit Hinblick auf die Ursachen, Symptome oder Therapien. Für eine erfolgreiche Behandlung spielt der Zeitfaktor einfach eine entscheidende Rolle. Alles andere hat eher den Anschein einer stumpfen "Massenabfertigung".

Grundproblem 4 - Kostenübernahme für Künstliche Tränen, Lidpflege & Co

Jeder Trockene Augen Patient kennt es, die Rechnungen von Augentropfen, Augensalben oder Lidpflege Tüchern (z.B. Blephaclean) stapeln sich, doch leider wird in der Regel kein Cent von den Krankenkassen beigesteuert. Ich habe mal eine Kostenaufstellung meiner bisher verwendeten Tropfen gemacht und bin bei weit über 1000 Euro gelandet, auch meine Kasse hat sich natürlich gegen eine finanzielle Beteiligung vehement gesträubt.

 

Meines Wissens werden solche Tränenersatzmittel lediglich bei Sjögren Syndrom übernommen, was ja zumindest schon mal ein Anfang ist.

Grundproblem 5 - Moderne Therapien

Und jetzt geht es erst so richtig ins Geld, denn die meisten neuartigen Therapien für das Trockene Auge sind extrem teuer, dagegen sind Augentropfen ein Klacks.

 

Einige Beispiele (meine Erfahrung)

  • LipiFlow (ca. 1500 Euro)
  • IPL (ca. 750 Euro)
  • Sondierung (ca. 250-350 Euro)
  • Punctum Plugs (ca. 200 Euro)
  • Blephasteam (ca. 220 Euro)

Sie sehen selbst, dass das teilweise schon hübsche Summen sind, gerade LipiFlow und IPL. Natürlich bezahlt hier die normale Krankenkasse mal wieder völlig überraschend keinen Euro. ;)

 

Ein Signal in die richtige Richtung wäre ja schon einmal, wenn man wenigstens die Standardtherapie mit der Blephasteam Wärmebrille übernehmen würde, schließlich schlägt diese Brille bei einer Mehrzahl der Patienten schon bemerkenswert gut an.

Versicherungen berechnen, Taschenrechner

Grundproblem 6 - Alternativmedizin

Viele Sicca Syndrom Patienten schlagen auch ganz andere Wege als die Schulmedizin ein, um die Augen schnell wieder fit zu bekommen. Auch ich habe einige Ansätze getestet, unter anderem die Homöopathie oder auch die Akupunktur. Besonders die Akupunktur war alles andere als billig, für eine Sitzung musste ich teilweise 80-90 Euro hinblättern, wenn man dann mal 10 hinter sich hat, dann kommt eine ordentliche Stange Geld zusammen.

Termine auf private Rechnung waren meine Rettung!

Wie Sie gerade selbst lesen konnten, erfolgte hinsichtlich der Kassenleistungen eine Enttäuschung auf die andere, egal ob es die Wartezeit auf den Termin war oder die Übernahme der Kosten für LipiFlow, jedesmal aufs neue ein wahres Fiasko.

 

Doch es geht auch um Längen besser, wie ich es selbst erleben durfte! Das Paradebeispiel war ein Termin in München, wo ich meinen ersten Privat-Termin vereinbart habe. 

 

Jetzt halten Sie sich fest

  1. Die Wartezeit betrug weniger als 2 Wochen
  2. Die Wartezeit in der Praxis lag bei unter 3 Minuten
  3. Ausgiebige Erklärung des komplexen Krankheitsbildes
  4. Welche Ursachen kommen in Frage?
  5. Umfangreiche Diagnose mit modernsten Technologien (Meibographie etc.)
  6. Besprechung der möglichen Therapien (und nicht nur das übliche 0815 Gerede wie die Verwendung von Augentropfen oder Augensalben)
  7. Anschließend sofort Punctum Plugs eingesetzt bekommen
  8. Anschließend LipiFlow gemacht
  9. Alles zusammen hat ca. 2 Stunden gedauert
  10. Ich fuhr zufrieden nach Hause, endlich wurde etwas getan!

Was für ein Kontrast zu den oben erwähnten Beispielen oder? Ich denke, der Begriff Zweiklassengesellschaft beschreibt diese Situation traurigerweise ausgezeichnet. Da kann man auch nichts schön reden, es ist einfach Fakt. Und noch ein wichtiger Hinweis, das war nicht mein einziger Termin auf private Rechnung, ich hatte bis heute mehrere davon und jedes Mal lief es in etwa gleich ab. (natürlich ohne LipiFlow, das war einmalig)

Zahlt sich eine Private Krankenversicherung letzten Endes aus?

Jetzt steht selbstverständlich die Frage im Raum, ob sich eine Private Krankenkasse auszahlen würde, aus wirtschaftlicher Sicht ist das natürlich fraglich, aber gesundheitlich auf jeden Fall und das ist das was zählt. Wer es sich leisten kann, der sollte ernsthaft einmal darüber nachdenken.

 

Gerade wegen der Warte- und Beratungszeiten ist es unglaublich attraktiv, denn dort prallen ansonsten zwischen Kassen- und Privatpatienten zwei Welten aufeinander. Ob natürlich Augentropfen oder moderne Therapien wie IPL komplett übernommen werden, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht, aber ich denke, dass man sich garantiert beteiligen wird.

Privatpatient

✔ kurze Wartezeit auf den Termin

✔ fast keine Wartezeit vor Ort

✔ intensives Arztgespräch

✔ Ursachenforschung

✔ Besprechung der Therapiemaßnahmen

✔ Kostenbeteiligung ist möglich

✔ alles in allem stehen die Chancen einer erfolgreichen Behandlung hoch

Kassenpatient

✘ ewige Wartezeit auf den Termin

✘ beim Termin vor Ort muss man warten

✘ kurzes Arztgespräch

✘ es wird kaum etwas erklärt 

✘ geringe bis keine Ursachenforschung

✘ 0815 Therapiemaßnahmen

✘ keine Kostenbeteiligung

✘ die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung sind gering


Gesundheitskarte

Bin ich mittlerweile privatversichert?

Nein, es ist mir im Moment noch zu teuer, aber ich habe eine gute Alternative für mich entdeckt und zwar vereinbare ich nur noch Termine auf private Rechnung. Diese 150-200 Euro sind es mir jedesmal wieder aufs neue wert.

 

Sobald ich es mir leisten kann, werde ich jedoch komplett auf privat umsteigen, nicht nur aufgrund meiner Augenbeschwerden, sondern auch aus dem Grunde, dass man als Privatpatient generell in allen Gesundheitsbereichen meilenweit besser versorgt ist. Eins habe ich zweifelsfrei in den letzten Jahren eindrucksvoll gelernt, das ich Ihnen noch unbedingt mit auf den Weg geben möchte: An seiner Gesundheit sollte man nicht sparen!

 

„Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts.“

~Arthur Schopenhauer

Wie viel kostet eigentlich eine Private Krankenversicherung?

Die ungefähre Beitragshöhe kann man heutzutage mittels eines Online-Tarifrechners schnell und vollkommen kostenlos ermitteln, ich habe Ihnen hier einen von Tarifcheck beigefügt. In nur wenigen Minuten kann man sich so einen groben Überblick verschaffen, ohne gleich einen Versicherungsvertreter nach Hause bestellen zu müssen. Für einen groben Anhaltspunkt reicht es allemal aus.

 

Weitere Information findet man auch hier:

 https://www.tarifcheck.de/private-krankenversicherung/ergebnis/ *

Der schnelle kostenlose Online-Tarifvergleich

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Welche Erfahrungen haben Sie bei Augenarzt-Terminen gemacht? In den Kommentaren können Sie Ihre Erlebnisse schildern.

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Kommentare: 4
  • #1

    Silke H. (Freitag, 07 September 2018 23:14)

    Hallo Florian,

    ich habe genau die gleichen Erfahrungen wie du gemacht, einfach schlimm und kaum zu glauben. Man wartet Ewigkeiten auf den Termin und dann? Ja genau, man spricht 5 Minuten mit dem Augenarzt... das war´s auch schon wieder.

    Leider kann ich mir auch keine Private Krankenversicherung leisten, sonst wär ich schon längst gewechselt.

  • #2

    Jörg (Mittwoch, 19 September 2018 20:05)

    Gleiche Erfahrung hier, man ist nur eine Nummer, das Wort "Massenabfertigung" trifft es ausgezeichnet.

  • #3

    Anderl (Donnerstag, 20 September 2018 18:34)

    Unser Gesundheitssystem ist im Moment einfach total überlastet, egal wo man hinblickt, überall eine Katastrophe... Pflege, Krankenhäuser, Altenheime etc.

  • #4

    Stroch01 (Dienstag, 25 September 2018 12:25)

    War neulich auch beim Augenarzt, musste 2,5 Stunden trotz Termin warten... das Gespräch dauerte dann 3 Minuten. Das ist doch nicht Sinn der Sache oder? Bin übrigens auch Kassenpatient.